VA 19.10.06

Moderner Tango aus Buenos Aires und Berlin

Konzert des Trios CANTANGO NUEVO

Vlothoerin Susanne Schulz begeisterte mit ihrem Trio im Jugendhof


Von Bodo Kohlmeyer

Die aus Vlotho stammende Musikerin Susanne Schulz an der Violine, ihr Partner Jho Kaufmann am Akkordeon und die japanische Pianistin Miyuki Motoi zogen das Publikum in den Bann der traurig, trotzig, getriebenen Musik aus den Hafenkneipen und Kaschemmen der argentinischen Hauptstadt, auch wenn dies die Äußerlichkeiten im grell erleuchteten Saal des Jugendhofs nicht erwarten ließen. Gespielt und gefühlt wurde der „Modern- Art-Tango“ mit Stücken vom großen Bandoneonvirtuosen Astor Piazzolla und mit Kompositionen von Jho Kaufmann. Entstanden sei der Tango im Hafen von Buenos Aires, wo die Bewegungen der dort schuftenden schwarzen Sklaven deren innere Unruhe und die Emotionen ihres harten Lebens widergespiegelt und sich in tänzerischen Schritten Ausdruck verschafft hätten, berichtete Jho Kaufmann. Astor Piazzolla habe sich erst bei seinen Studien in Paris von seiner Lehrerin Nadia Boulanger ermutigen lassen, seine Art des Tango, getreu seiner kulturellen Identität musikalisch auszuleben. Damit habe der Musiker und Komponist den Tango Nuevo begründet und in seiner konzertanten Vortragsweise Elemente der klassischen Musik und vor allem die Eigenarten der afrikanischen Ursprünge und der sich gewachsenen lateinamerikanischen Besonderheiten aufgenommen. Der gesungene Vortrag, durch den der Tango vor allem durch seinen
berühmtesten Repräsentanten, den schon 1935 verstorbenen Carlos Gardel weltweite Beachtung gefunden hatte, wurde von Astor Piazzolla durch die Betonung von Bandoneon und Violine ersetzt.
Susanne Schulz unterhielt mit Erläuterungen zu den Stücken, zu denen mit dem „Tanz eines Engels“, „Tod eines Engels“ und „Auferstehung eines Engels“ sowie dem bei Piazzollas Aufenthalt in Mailand von Vivaldi inspirierten Zyklus „Vier Jahreszeiten im
Hafen“, der dem Leben der Portenos, der Hafenbewohner Rechnung trägt, Stücke gehörten, die auf keiner guten Piazzolla- Zusammenstellung auf CD oder Vinylplatte fehlen.
„Auch wenn wir uns als Trio bescheiden müssen, geben wir doch unser Bestes. Miyuki ersetzt mit den linken Hand noch spielend  den eigentlich nötigen Kontrabass und Jho schafft es mit dem Akkordeon auch jene perkussiven Elemente rüberzubringen, die man mit dem Bandoneon, dem Instrument Piazzollas, eigentlich erzeugt“,  erklärte Susanne Schulz launig, wobei ihr Partner von einer „Musik für Expander“ sprach.
Für besondere Aufmerksamkeit sorgte bei dem Konzert das Tanzlehrerpaar Petra und Malte Schallhöfer, das im Jugendhof ein Tango-Tanzseminar leitete. Die Tanzmeister aus Bremen bereicherten mit ihrer tänzerischen Begleitung des eigentlich sehr konzertanten Vortrags die Wahrnehmung dieser gefühlvollen und ergreifenden Musik.


Für besondere Aufmerksamkeit Foto: Kohlmeiersorgte bei dem Konzert das Tanzlehrerpaar Petra und Malte Schallhöfer, das im Jugendhof ein Tango-Tanzseminar leitete. Die Tanzmeister aus Bremen bereicherten mit ihrer tänzerischen Begleitung des eigentlich sehr konzertanten Vortrags die Wahrnehmung dieser gefühlvollen und ergreifenden Musik.