| Vlothoer Anzeiger 17.10.05 |
| Von Bodo Kohlmeyer 10/2005 Vlotho(BoDo). Auch wenn die modernen Tangos der Drei von CANTANGO NUEVO eigentlich konzertanter Art waren, fand sich doch ein Paar aus dem Publikum, das mit seinem Tanz die Intensität dieser leidenschaftlichen Musik noch zu unterstreichen vermochte. Die aus Vlotho stammende Musikerin Susanne Schulz an der Violine, ihr Partner Jho Kaufmann am Akkordeon und die japanische Pianistin Miyuki Motoi (Foto) zogen das Publikum in den Bann der traurig, trotzig, getriebenen Musik aus den Hafenkneipen und Kaschemmen der argentinischen Hauptstadt, auch wenn dies die Äußerlichkeiten im grell erleuchteten Saal des Jugendhofs nicht erwarten ließen. Gespielt und gefühlt wurde der "Modern- Art-Tango" mit Stücken vom großen Bandoneonvirtuosen Astor Piazzolla und mit Kompositionen von Jho Kaufmann. Entstanden sei der Tango im Hafen von Buenos Aires, wo die Bewegungen der dort schuftenden schwarzen Sklaven deren innere Unruhe und die Emotionen ihres harten Lebens widergespiegelt und sich in tänzerischen Schritten Ausdruck verschafft hätten..... Astor Piazzolla habe sich erst bei seinen Studien in Paris von seiner Lehrerin Nadia Boulanger ermutigen lassen, seine Art des Tango, getreu seiner kulturellen Identität musikalisch auszuleben. Damit habe der Musiker und Komponist den Tango Nuevo begründet und in seiner konzertanten Vortragsweise Elemente der klassischen Musik und vor allem die Eigenarten der afrikanischen Ursprünge und der sich gewachsenen lateinamerikanischen Besonderheiten aufgenommen. |
Der gesungene Vortrag, durch den der Tango vor allem durch seinen berühmtesten Repräsentanten, den schon 1935 verstorbenen Carlos Gardel weltweite Beachtung gefunden hatte, wurde von Astor Piazzolla durch die Betonung von Bandoneon und Violine ersetzt. Susanne Schulz unterhielt mit Erläuterungen zu den Stücken, zu denen mit dem "Tanz eines Engels", "Tod eines Engels" und "Auferstehung eines Engels" sowie dem bei Piazzollas Aufenthalt in Mailand von Vivaldi inspirierten Zyklus "Vier Jahreszeiten im Hafen", der dem Leben der Portenos, der Hafenbewohner Rechnung trägt, Stücke gehörten, die auf keiner guten Piazzolla - Zusammenstellung auf CD oder Vinylplatte fehlen. "Auch wenn wir uns als Trio bescheiden müssen, geben wir doch unser Bestes!." Miyuki ersetzt mit der linken Hand noch spielend den eigentlich nötigen Kontrabass und Jho schafft es mit dem Akkordeon auch jene perkussiven Elemente rüberzubringen, die man mit dem Bandoneon, dem Instrument Piazzollas, eigentlich erzeugt", erklärte Susanne Schulz launig, wobei ihr Partner von einer "Musik für Expander" sprach.
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